Geschichte
Fast 500 Jahre Hof Langenmoos.
Was heute ein Familienbetrieb mit Legehennen ist, war schon im 16. Jahrhundert ein Hof mit eigener Geschichte.

1291
Burg Marbach urkundlich erwähnt
1523
Langenmoos erstmals als Reichenau-Lehen der Familie von Ulm aktenkundig
1541
Ältester bekannter Lehnsbrief für Hof Langenmoos
1553
Barbara von Ulm verkauft ihren Hof in Langenmoos
1572
Rechtsstreit um den halben Hof
1830
Langenmoos wird freies Eigentum
heute
Familienbetrieb mit Legehennen
1291 — Der Nachbar mit der langen Geschichte
Wenige Kilometer von Langenmoos entfernt steht bis heute Schloss Marbach, unter dessen Herrschaft der Hof über Jahrhunderte verwaltet wurde. Schon 1291 taucht die Burg erstmals in Urkunden auf — damals noch als reine Wehranlage, lange bevor daraus ein Schloss wurde.
1523 — Ein Lehen des Klosters Reichenau
Der erste sichere Beleg für Langenmoos als eigenständigen Hof stammt aus dem Jahr 1523: Das mächtige Kloster Reichenau verleiht den Hof als Lehen an die Freiherren von Ulm zu Marbach. Zeitweise sind auch die Grafen von Fugger beteiligt — eine der reichsten Familien Europas, deren Kredite einst sogar Kaiser finanzierten.
1541 — Schwarz auf Weiß
Ein Pacht- bzw. Lehnsbrief hält fest, wer den Hof zu dieser Zeit bewirtschaftet. Es ist das älteste erhaltene Dokument, das Langenmoos namentlich als bäuerlichen Betrieb beschreibt.
1553 — Ein Verkauf auf den Tag genau
Am 27. Juli 1553 verkauft Barbara von Ulm aus Radolfzell ihren Hof in Langenmoos an Seyfrid von Ulm, Pfleger im fernen Füssen. Die 23-seitige Verkaufsurkunde ist bis heute erhalten — ein seltener Glücksfall für einen Hof dieser Größe.
1572 — Streit vor Gericht
Der Hof war zeitweise an das Frauenkloster Grünenberg bei Weiler verpachtet. Als der Pachtvertrag endet, gibt es Ärger über den Zustand des Hofs — Lipfried von Ulm zieht deswegen vor das reichenauische Gericht und beansprucht die Hälfte von Langenmoos.
1830 — Endlich frei
Fast 300 Jahre lang bleibt Langenmoos ein Lehen — Land, das nie wirklich einer Familie gehörte, sondern nur geliehen war. Im Zuge der badischen Reformen wird der Hof 1830 schließlich „allodialisiert“: Aus Lehnsland wird freies Eigentum.
heute — Familienbetrieb mit Geschichte
Seit mehreren Generationen führt die Familie Grundler den Hof — über die mütterliche Linie, von Opa und Uropa bis heute. Aus dem einstigen Lehnshof des Klosters Reichenau ist ein Familienbetrieb geworden, der heute freilaufende Legehennen und Mastvieh hält.
Ein Hof, an dem Menschen vorbeikommen
Bis heute liegt Langenmoos direkt am Fernwanderweg Schwarzwald-Jura-Bodensee — ein Ort, an dem seit Jahrhunderten Menschen rasten und weiterziehen, nur dass sie früher vermutlich nicht wussten, wessen Lehen sie gerade betraten. Heute sind es die Legehennen und das Mastvieh auf der Weide, die den Charakter des Hofs prägen.

Die vollständige Chronik des halben Hofs
Ein Teil von Langenmoos — der sogenannte „halbe Hof“ — war über Jahrhunderte ein Lehen, das bei jedem Erbfall, jedem Bischofswechsel in Konstanz und jeder Übertragung neu bestätigt werden musste. Diese enge Aktenlage erlaubt einen ungewöhnlich genauen Blick in die Hofgeschichte:
Historische Angaben basierend auf Archivdokumenten des Landesarchivs Baden-Württemberg (Generallandesarchiv Karlsruhe, Bestand 72 Lehen- und Adelsarchiv), der Schlossgeschichte von Schloss Marbach sowie Wikipedia-Einträgen zu Öhningen und dem Landkreis Konstanz.